· 

Meditation ist nur eine Technik, was zählt, ist die Absicht

Wenn vom Meditieren die Rede ist, kann das vieles bedeuten. Es gibt so unzählig verschiedene Meditationsformen, dass man sie nicht per se über einen Kamm scheren kann. Der gemeinsame Nenner ist, dass Meditation bedeutet, sich mit dem Geist einer Sache zu widmen und diese konzentriert zu betrachten. Aber auch die Techniken, die irgendwann in der Stille landen oder über Körperempfindungen gehen, nennen sich Meditation.

 

Wer sich also überlegt, einmal das Meditieren auszuprobieren, sollte sich nach der dahintersteckenden Motivation fragen (schonmal eine erste meditative Übung). Bei mir persönlich war es etwas anders. Ich wollte nie meditieren. Mein Interesse daran war tatsächlich Null, denn ich empfand keinen Sinn oder Nutzen darin. Viel wichtiger war mir, die vorhandene Zeit mit sozialen, gemeinnützigen und praktischen Tätigkeiten aktiv anzugehen. Meine Zeit erschien zu kurz für bewegungsloses Herumsitzen, denn wie sollte man damit etwas in der Welt bewegen? Erst durch einen zufällig entdecken Wochenend-Achtsamkeitskurs schnupperte ich aus purer Neugierde in eine andere Welt (das war 2016). Dabei hatte ich einen Aha-Moment nach dem anderen durch die Erklärungen der Lehrerin und durch die praktischen Übungen. Auf einmal verstand ich Denken und Gedanken auf ganz neue Weise und auch, was der Raum zwischen den Gedanken war. Die Stille war mir bis dahin nicht unbekannt, nur wusste ich nicht, dass dies tatsächlich etwas Besonderes war, was wir oft als Erwachsene verlieren oder nicht mehr wieder finden. Intuitiv kam ich in manchen Situationen in diesen rein fühlenden Zustand. Vermutlich aufgrund des seit Kindheit bestehenden Kontaktes zu Tieren. Durch den Achtsamkeitskurs lernet ich allerdings diesen Zustand erstmals bewusst kennen und erkannte, dass es Methoden gab, gewollt dorthin zu kommen. Dennoch dauerte es noch, bis ich tatsächlich mit dem regelmäßigen Meditieren begann. Im Frühjahr 2019 kamen mehrere kleine persönliche Frustrationskrisen zusammen, was ich an und für sich akzeptierte oder aktiv anging. Dennoch hatte sich mittlerweile eine Art Verzweiflung breit gemacht. Denn ich wollte aus einem tiefen inneren Gefühl heraus etwas Gutes in die Welt tragen, durch meine eigene Tätigkeit. Es ging darum, was meine Aufgabe war. Wie kam ich aus einem subtilen Gefühl in etwas Konkretes und wie ließ sich dies realistisch umsetzen? Doch irgendwie, egal wie intensiv ich kämpfte, durchhielt, mehreren Tätigkeiten für ein größeres Ziel nachging, es schien sinnlos. Ich wollte es nicht akzeptieren, aber wusste keinen Weg mehr. Doch dann kam es, als ich anfing andere um Hilfe zu bitten, zu einem Erlebnis, bei dem ich die Stille so intensiv wahrnahm wie vorher nie. Von da an wusste ich, dass es sich lohnte, den Weg weiter zu verfolgen, dass es richtig war, zu versuchen, das Gute zu erkennen und zu verwirklichen. Ich wusste zwar immer noch nicht, wie die alten Probleme zu lösen waren, sie waren ja immer noch da, doch ich spürte einen Sinn. Ich hatte nicht mehr nur die vage Hoffnung, sondern war nun überzeugt, dass es wirklich etwas gibt, was uns alle umgibt und mitfühlend trägt. Ich kann es nur als mystisches Erlebnis für eine Minute oder so beschreiben. Zuvor kannte ich schon kleine ähnliche Ereignisse wie diese, aber das hier war viel intensiver. Tief dankbar sah ich es als ein Geschenk an. Es half mir allerdings nicht oder noch nicht dabei, dem normalen Alltag zu begegnen. Später lernte ich, dass man die Stille immer wieder, wenn auch nicht so intensiv oder etwas anders als beim ersten Mal, spüren kann. Doch der eigentliche Weg, der mir wichtig war, sollte nicht in spirituelle, abgehobene Sphären gehen, sondern im Hier und Jetzt des normalen Alltags geschehen. Somit stand ich vor der alten Frage, aber mit neuem Blick. Mittlerweile habe ich gelernt, dass der Weg immer irgendwann über die eigene Entwicklung und die Arbeit an einem selbst gehen muss, wenn man denn an Weiterentwicklung interessiert ist. An den eigenen Themen, dem eigenen Verhalten, der täglichen Reflektion unseres Handelns kommen wir dabei nicht vorbei. Dass dieser Weg durch das Meditieren unterstützt wird, dies war mir bis dahin aber noch unbekannt.

Erst im Herbst 2019 kam ich durch einen Kurs in Achtsamkeit mit Tieren erneut in den Kontakt mit der Meditation. Seit ich denken kann, suchte ich nach Möglichkeiten, harmonischer mit Tieren umzugehen und feinfühlig mit ihnen zu kommunizieren. Durch den Achtsamkeitskurs mit Tieren erfuhr ich, welche Bedeutung ein meditativer Geisteszustand im Kontakt mit unseren Mitgeschöpfen hat. Doch war es erst der Lockdown in der Coronapandemie im Frühjahr 2020, welcher mich täglich in der Früh dem Meditieren näher brachte. In der Sportgruppe wurde Meditation als Onlinetreffen angeboten und ich machte einfach Mal mit. Erst hierdurch wurde mir wirklich klar, dass mir dies bei meinen Absichten nützlich war. Ich bin eine grenzenlose Optimistin und ständig daran interessiert, wie man ein besserer Mensch werden kann und wie man sich für Menschen, Tiere und Natur einsetzen kann. Erst das Meditieren zeigte mir, wie ich funktionierte, welche Themen in mir schlummerten und hierdurch, was mich an meiner Absicht Gutes zu tun, eigentlich hinderte, blendete oder aber weiter brachte. Vor allem aber begegnete ich auch unangenehmen Gefühlen und Themen, die auch im Alltag immer wieder auftraten. Im geschützten Raum der Meditation kann man den Umgang mit solchen Situationen üben, bevor sie dann im bewegten Leben erneut auftreten. Seitdem nutze ich das Meditieren in der Stille für mich, um das eigene Handeln im Alltag bewusster angehen zu können und zum anderen, für den Kontakt und die Arbeit mit Tieren. Hinzu kommt, dass durch die Stillemeditation sich eine besondere Atmosphäre und Energie in und um einen spürbar macht, die den ganzen Körper durchfließt. Dieses Spüren stellte sich bei mir erst nach mehreren Monaten täglichen Meditierens ein. Man braucht also nicht nur Mut, sich selbst und vielleicht verdrängten Problemen zu begegnen, sondern auch Geduld und Durchhaltevermögen. Mittlerweile gelingt es auch im Alltag, das Gefühl, die Ruhe und die Aufmerksamkeit aus der Meditation wiederzuerwecken. Nicht dauerhaft, aber immer wieder und es hilft in vielen Situationen. Den Zustand aus der Meditation in den Alltag mitzunehmen führt auch dazu, dass ein normaler Tag auf einmal intensiver und lebendiger wird. Dabei bleibt man unspektakulär die alte Person mit Macken und seltsamen Eigenheiten. Aber man selbst und manch nahestehende Person merkt, dass Meditation hilft, das heilsame zu kultivieren und das unheilsame immer häufiger zu unterlassen. 

Ich habe also durch durch Not, Krise und Neugierde zur Meditation gefunden und im Sommer 2021 sogar noch eine Weiterbildung zur zertifizierten Meditationslehrerin gemacht. Doch perfekt, fehlerlos oder ohne Macken bin ich dadurch nicht geworden, nur ein bisschen achtsamer im Alltag. Doch man braucht nicht perfekt zu sein, Hauptsache man tut etwas! Nach dem regungslosen Sitzen etwas aktiv tun, auch darauf kommt es auch an. Darum arbeite ich nun für andere das "Handbuch Meditation mit Tieren" aus.

 

Das Wichtigste zu Beginn der Meditation ist somit immer die Frage: Warum möchte ich überhaupt meditieren? Was erhoffe ich mir? Erst daraus ergibt sich die Technik, mit der man dann praktiziert.

 

 

Für Meditierisch habe ich folgende Motive zum Meditieren zusammengefasst:

  • eine tiefe Verbindung mit der eigenen inneren Natur spüren lernen
  • innere Ruhe, Gelassenheit und Harmonie pflegen
  • das Heilsame kultivieren, das Unheilsame unterlassen
  • die eigene Intuition stärken
  • zu spüren, was die richtigen Entscheidungen sind
  • im Sinne des sozialen Miteinanders mit uns und anderen Lebewesen leben
  • Gutes in die Welt zu tragen
  • eine tiefe Verbindung zu Tieren spüren
  • Tiere feiner spüren
  • mit Tieren noch feiner kommunizieren
  • Tieren in problematischen Situationen helfen und sie unterstützen können
  • unangemessene Emotionen erkennen und umwandeln, bei einem selbst und beim Tier
  • möglichst stressarmer Umgang mit Tieren, auch in herausfordernden Situationen
  • erkennen, was es wirklich zu tun gibt und was man besser sich selbst überlässt
  • achtsam zuzuhören
  • achtsam berühren
  • Grenzen feinfühliger zu erkennen
  • harmonischer und vertrauensvoller im Umgang werden
  • Beziehungen mit Menschen und Tieren verbessern und pflegen
  • mitfühlender werden
  • Spaß am Entdecken von Neuem, wenn es anderen auch wohl tut
  • Wohlbefinden von Mensch und Tier fördern
  • ein lebendiges Leben leben

Wenn Du einige dieser Interessen teilst, dann findest Du auf meditierisch etwas für Dich und dann wird Dir das "Handbuch Meditation mit Tieren" hoffentlich dabei helfen. Wenn Du allerdings andere Themen hast, schau, was für Dich passt. Es gibt für jeden die geeignete Methode. Manchmal ist es auch gar nicht Meditation, sondern etwas anderes, was einem weiterhilft. Manchmal ist es auch erst die Kombination verschiedener Techniken. Die Hauptsache aber ist, dass man das, was zu einem passt, findet. Daher ist zu Beginn der Meditation immer die wichtigste Frage: "Warum will ich meditieren und was wünsche ich mir von der Meditation?"