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Trust Technique, Meditation oder Tiertraining?

Was sind Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Trust Technique, Meditation oder Tiertraining? 

 

Bevor man mit einem Tier eine neue Technik ausprobiert, gilt es zu überlegen, warum man dies tun möchte und auch, ob die Methode zu einem passt. Die wichtigsten Fragen sind daher immer "Was möchte ich?" und "Was sind meine Bedürfnisse?"

 

TRUST TECHNIQUE

Die Trust Technique®, entwickelt von dem Engländer James French und der Australierin Shelley Slingo, basiert auf Achtsamkeit und der Kommunikation mit dem Tier auf Gefühlsebene. Diese Methode ermöglicht es, das Denklevel von Mensch und Tier zu beruhigen und dadurch Platz zu machen für ein Gefühl von Vertrauen und Frieden. Tiere lernen mit Hilfe ihres Menschen sich zu entspannen und so Situationen in einem neuen Licht zu sehen und zwar friedvoller und authentischer. Während dieses Prozesses des Loslassens kommen manchmal Gefühle und Emotionen hoch, die achtsam wahrgenommen und  transformiert werden. Daher hilft die Trust Technique® besonders in Situationen, in denen es darum geht, dass das Tier entspannter und vertrauter wird.

 

Trust Technique® und Meditation: Die Gemeinsamkeit zeigt sich im present moment. Dies ist eine meditative Technik, sehr einfach zu erlernen und für die allermeisten Menschen mit einiger Übung umzusetzen. Hierdurch treten Mensch und Tier in den Bereich des Seins ein und nehmen sich gegenseitig und die Umgebung im Hier und Jetzt wahr. Die Gedanken beruhigen sich, wodurch eine friedvolle Athmosphäre erzeugt wird. Dies passiert auch beim Meditieren. Nur, dass man beim Meditieren verschiedene Formen des Meditierens betrachten müsste. Meditation ist nicht gleich Meditation. Und selbst die Stillemeditation oder Zen-Meditation hat noch weitere Hilfsübungen eingebaut, so dass die Trust Technique® tatsächlich eher eine sehr vereinfachte, aber nicht minder effektive Methode darstellt, um in das Hier und Jetzt einzutreten.

 

Trust Technique® und Achtsamkeit: Trust Technique® ist gelebte Achtsamkeit mit dem Tier. Durch den present moment kommen wir ins Hier und Jetzt. Dann gibt es noch einen Bereich, den nennen wir mindful regard, was übersetzt und sinngemäß achtsames Betrachten bedeutet. Wir nehmen das Tier wahr, so wie es ist und das Tier merkt unsere achtsame und wertschätzende Aufmerksamkeit. Dies lässt uns eintreten in einen noch tieferen Bereich, den der Kommunikation.

 

Trust Technique® und Tierkommunikation: In der Trust Technique® nehmen wir die Gefühle des Tieres wahr bzw. wir nehmen wahr, dass wir Gefühle teilen. Dieses gegenseitige Wahrnehmen führt zu einer Form der Kommunikation. Die Trust Technique® geht sogar noch tiefer. Wenn es um trusted corporation geht, den Bereich der Trust Technique®, in dem wir mit dem Tier gemeinsam etwas machen, sei es Halfter oder Leine anbringen, Spazieren gehen oder Spielübungen lernen. Sehr feinfühlige Menschen können wahrnehmen, dass die Gefühle, die wir von dem Tier aufnehmen bzw. wahrnehmen, in unserem Kopf als Bilder übersetzt werden. Das ist natürlich nicht exakt das Bild, welches das Tier hat, aber übersetzt stellt es sinngemäß einen für beide Seiten verständlichen Inhalt dar. Genauso können wir Tieren eine Vorstellung von dem, was wir vorhaben, vermitteln. Dies ist eine Art der Kommunikation, die vielen zivilisierten Menschen ungewöhnlich erscheint, allerdings in jedem von uns als eine Art universelle Natursprache vorhanden ist. Wie verständlich wir kommunizieren hängt dabei von unserer Vorerfahrung, Übung, dem Gegenüber und der persönlichen Neigung ab.

 

Trust Technique® und Tiertraining: In der Trust Technique® geht es zunächst einmal darum, das Sein mit dem Tier zu spüren, einen gemeinsamen Raum wahrzunehmen und ein tieferes Erleben von Verbindung und Vertrauen zu spüren. Doch schon hierbei kann es zu einem spontanen Umlernen oder Erkenntnissen beim Mensch oder Tier kommen. Dies passiert spontan und unerwartet. In der Trust Technique® nennt sich dies creative reaction, also kreative Reaktion auf die Kombination und das Zusammenspiel von present moment und mindful regard. Hat man diesen Prozess mit dem Tier lange genug geübt und ist in diesem Hier und Jetzt mit dem Tier vertraut, kann dies auch zum Umlernen von Verhaltensauffälligkeiten oder in schwierigen Situationen genutzt werden. Present moment und mindful regard sind Mensch und Tier vertraut und kommen nun in der fordernden Situation zum Einsatz. Das Tier nimmt dann mit ruhigem und wachem Geist die Situation so wahr, wie sie wirklich ist und nicht mehr subjektiv im hocherregten, überdenkenden Zustand des Geistes. Dadurch lernt das Unterbewusstsein und Teile im Gehirn um. In der Trust Technique® nennt man dies realisation learning, also das bewusste Lernen und Neubewerten durch das Tier, welches spontan und ungezwungen die Situation so sieht, wie sie sich im Hier und Jetzt wirklich darstellt. Dies ist von der dahinterliegenden Lerntheorie, dass das Unterbewusstsein je nach Erregungslage des Gehirns und subjektiver Bewertung von Reizen oder Situationen lernt oder umlernt, dem Tiertraining oder der Verhaltenstherapie ähnlich. Der feine Unterschied oder eher Variation ist, dass es keinen Therapieplan gibt oder im Vorhinein festgelegt wird, wie vorgegangen wird, sondern die sehr feine Wahrnehmung des Tierhalters für sein Tier und die Situation geschult wird, so dass irgendwann selbstständig und eigenverantwortlich gelernt werden kann. Eigenes Erfahren führt zu tiefem Verständnis und dies geschieht in der Trust Technique®.

 

Trust Technique® und Verhaltenstherapie: Wie auch bei Menschen, gibt es bei Tieren emotionale Krisen und psychische Traumata. Wir kennen alle irgendein Tier, welches Schlimmes durchgemacht hat, aus schlechten Verhältnissen kommt, eine unbekannte Geschichte hat und irgendwie verschreckt, verstört, eben traumatisiert erscheint. Tatsächlich gibt es im Bereich der klassischen Verhaltenstherapie, im Gegensatz zur Humanmedizin und -psychologie, keine anerkannte oder verbreitete Methode, solche Tiere psychisch zu therapieren. Einige Ansätze gibt es vereinzelt aus dem Bereich Tiermedizin, doch wird auch hier mit schematischen Protokollen geübt. Die Trust Technique® hat hier, so zumindest mein derzeitiger Wissensstand, eine Einzigartigkeit. In dem Tiere in einen sehr tiefen Entspannungszustand gehen und in eine Art wachen REM-Schlaf fallen, kann das Nervensystem sich erholen. Psychisch unverarbeitetes kann durch Entladung von Anspannung, erkenntlich durch Muskelzuckungen, losgelassen werden. Dieser Zustand ist am ehesten so etwas wie eine tiefe Trance oder Meditation, also kein normales Einschlafen. Vergleichbar ist es auch mit Zuständen, die in der Körperpsychotherapie des Menschen vorkommen, wie das Muskelzittern. In der Tierwelt ist es weit verbreitet, dass nach einer Erstarrungsreaktion ein Körperzittern auftritt und so die Anspannung aus einer (lebens)bedrohlichen Situation wieder frei wird. Ist dies nicht möglich, speichert sich diese emotionale Energie im Körper, um hoffentlich irgendwann wieder freigelassen zu werden. Dies geschieht, wenn die Tiere in der Trust Technique® tief entspannen und sich Muskelzittern und Bewegungen zeigen. Das dies erholsam ist, wird am Verhalten der Tiere nach dem wieder Wachwerden deutlich. Nicht alle Tiere gehen sofort in einen so tiefen Zustand, nicht alle können es sofort, manche brauchen auch gerade etwas anderes und man kann nicht vorhersehen oder beeinflussen, welche Inhalte das Tier möglicherweise hierdurch verarbeitet und loslässt. Von daher ist die Trust Technique® vom Verständnis her in diesem Bereich auf der spirituellen oder komplementären Ebene einzuordnen. Wir können es nicht, oder noch nicht, wissenschaftlich einordnen. Wir können es vergleichen mit Körperpsychotherapien in der Menschenwelt. Wir könnten es spirituell erklären. Oder aber wir spüren und beobachten, was da gerade passiert und akzeptieren, dass wir mal gerade nicht Bescheid wissen, dass dies aber trotzdem in Ordnung ist. Wir vertrauen dem Prozess, der natürlich und spontan verläuft. Sozusagen geben wir durch die Trust Technique® den Impuls und den Rahmen für psychisch-emotionale Heilung, vor allem bei traumatisierten Tieren. Dann lassen wir aber los und vertrauen auf den selbstablaufenden Prozess. Trust in the process, manchmal braucht es nur das.

 

Zusammenfassend bietet die Trust Technique® also eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten, sie am Tier anzuwenden. Man kann mit dem Tier alles machen, was man beim Meditieren oder im Tiertraining auch machen würde, nur auf einer etwas anderen Ebene oder vor einem anderen Hintergrund. Die Besonderheit, psychische Traumata anzugehen, macht die Trust Technique® sehr wertvoll. Gemeinsames Spüren, Lernen, Erfahren und Verarbeiten mit dem Tier stehen im Vordergrund.

 

Abschließend: neue Blickwinkel einnehmen

Im Grunde darf ein Tier doch einfach Tier sein oder? Doch wir sind es, die etwas vom Tier wollen oder die sie für unsere Zwecke nutzen. Ich frage mich oft, warum? Am wertvollsten sind doch die Momente, in denen man einfach nur zusammen die Zeit verbringt. Und zu spüren, dass das Tier tatsächlich am Kontakt mit uns Interesse hat und dies sogar genießt, was könnte es schöneres geben? Wie bereichernd ist es, die feine Verbindung und den Austausch von Gefühlen und sogar feine Energien zu spüren. All das wird möglich, wenn wir eine Technik haben, wie wir dort hinkommen. Ist das nicht auch das Geheimnis von der bekannten Geschichtenfigur Dr. Doolittle? Was steckt im Namen? Er tut wenig und versteht so die Welt der Tiere. Er tut wenig und hilft Tieren.