Umgang mit traumatisierten Tieren

Im Frühjahr 2022 suchte ich nach Informationen, wie man Tiere, bei denen ein Trauma vermutet wird, helfen kann. Insbesondere Tiere mit unbekannter Vergangenheit oder mit Tierschutzhintergrund (Auslandstiere, Animal Hoarding, nach Katastrophen, mehreren Halterwechseln ect.) beobachtet man manchmal eine Überängstlichkeit oder auch Angstaggression, häufig ohne vorherige Warnzeichen. Die Tiere scheinen ständig in einem Alarmzustand zu sein oder sie scheinen in bestimmten Situationen plötzlich nicht mehr sie selbst zu sein. Mit normalen Trainingsmethoden oder reiner medikamentöser Therapie wird man hier nicht genug helfen können. Darum habe ich recherchiert, was es bisher auf diesem noch ziemlich jungen Gebiet an Wissen und Erfahrung gibt und es hier zusammengefasst.

 

Inhalt:

·         Einleitung

·         Was bedeutet Trauma?

·         Trauma und Posttraumatische Reaktionen bei Tieren

·         Physiologie von Traumafolgestörungen

·         Diagnostik von Traumafolgestörungen beim Menschen

·         Therapie von Traumafolgestörungen beim Menschen

·         Umgang mit traumatisierten Tieren

·         Die Phasen der Trauma-Therapie beim Hund

·         Stabilisierung

·         Förderung des Gefühls von Selbstwirksamkeit

·         traumaadaptierte Konfrontationsübungen

·         Quellen und weiterführende Literatur

 

 

Einleitung

Tiere sind fühlende Wesen und können emotional reagieren. Sie empfinden Schmerz auf körperlicher wie auf psychischer Ebene und zeigen auf entsprechend stressende Reize abwehrende oder vermeidende Reaktionen. Manchmal ist zu beobachten, dass das Verhalten auf einen Stressor unangemessen erscheint. Manche Tiere überreagieren oder reagieren gar nicht. Können Traumata hierfür ein Grund sein? In emotional herausfordernden Zeiten ist es immens wichtig, über die Relevanz von Traumata informiert zu sein. Was ist ein Trauma? Wie zeigt es sich und was kann man überhaupt machen, um die damit einhergehenden Symptome zu lindern? Dabei stellt sich die Frage, wie sich Trauma beim Tier erkennbar macht. Die vorliegende Literaturstudie beleuchtet dabei Erkenntnisse aus der Traumabehandlung beim Menschen sowie aus der Tierverhaltenstherapie. Es gilt herauszufinden, was traumatisierte Tiere brauchen, was wir konkret für sie tun können und wie wir ihnen begegnen.

 

Was bedeutet Trauma?

Der Begriff Trauma wird nicht einheitlich genutzt, stammt aus dem Griechischen und bedeutet Wunde. Ein traumatisches Ereignis kann durch existenziell bedrohliche Situationen ausgelöst werde. Dabei führen seelische, mentale, körperliche oder emotionale Stressoren zu einem Gefühl von Hilflosigkeit, Überforderung und Machtlosigkeit. Je nachdem, in welchem Ausmaß dies stattfand, welche Voraussetzungen das Individuum mitbringt und in welchem Lebensabschnitt dies stattfindet sowie abhängig von den äußeren Umständen, verläuft das Trauma eher mild oder aber schwerwiegend.

Die Weltgesundheitsorganisation definierte 1991 Trauma als ein „kurz- oder langanhaltendes Ereignis oder Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung mit katastrophalem Ausmaß, das nahezu bei jedem tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde“. Auch das Beobachten von Gewalttaten kann traumatisierend für den Beobachter sein, da eine traumatische Situation dadurch gekennzeichnet ist, dass sie eine Diskrepanz zwischen subjektiv erlebter Bedrohung für sich oder andere und der fehlenden individuellen Bewältigungsstrategie aufweist. Auch eine Überforderung kann zu einer derartigen unzureichenden individuellen Bewältigungsstrategie führen. Massiver Stress zeigt sich durch Herzrasen, Blutdruckanstieg, Schwitzen, Zittern, Schwindel oder Übelkeit. Auch Amnesie, ein Nichtmehrerinnern, kann auftreten. Neben emotionalen Reaktionen wie Furcht, Angst, Panik, Hilflosigkeit, Ausweglosigkeit bis hin zur Todesangst kann sich aber auch eine emotionale Taubheit einstellen. In diesem Fall spürt der Betroffenen gar keine auf die Situation bezogenen Gefühle mehr.

Ereignisse, die zu Traumata führen können sein: Verkehrsunfälle, Naturkatastrophen, Gewaltverbrechen, Überfälle, sexueller oder seelischer Missbrauch und weitere. Sie werden entweder direkt erlebt, als persönliche Zeugenschaft mit angesehen, betreffen die eigene Person oder andere Familienmitglieder, Freunde oder nahestehende Personen, kommen einmalig vor oder wiederholt. Demnach unterscheidet man zwischen einmalig auftretenden Traumata und mehrfacher, über längeren Zeitraum anhaltenden Traumata. Weiterhin wird unterschieden zwischen zufälligen, unbeabsichtigten Erlebnissen wie Unfälle und Naturkatastrophen und intentionalen Traumata, die willentlich durch Menschen hervorgerufen werden, sogenannte Beziehungstraumatisierungen, Entwicklungstraumata und dergleichen. Traumata die die Beziehungsebene betreffen sind oft tiefgreifender und führen häufiger zu Veränderungen oder Schädigungen. Darüber hinaus sind besonders in der frühen Phase des Lebens hervorgerufene Traumata besonders verletzend und hinterlassen häufig tiefere, seelische Folgen.

 

Die Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (KPTBS) umfasst ein Symptombild, welches in der Regel durch besonders schwere, langandauernde und sich wiederholende traumatische Erlebnisse hervorgerufen wird, aus denen eine Flucht schwierig oder unmöglich ist. Die Diagnose umfasst alle Kernsymptome der klassischen PTBS (Wiedererinnerung, Vermeidung, Übererregung) und zusätzlich kommen drei weitere Symptomgruppen hinzu: anhaltende und tiefgreifende Probleme der Emotionsregulation (verstärkte emotionale Reaktivität, Affektverflachung, gewalttätige Durchbrüche), ein negatives Selbstkonzept (beeinträchtigte Selbstwahrnehmung wie die Überzeugung, minderwertig, unterlegen oder wertlos zu sein, Schuldgefühle, Schamgefühle) sowie Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen (Schwierigkeiten, nahe Beziehungen aufzubauen und aufrecht zu erhalten).

 

Trauma und Posttraumatische Reaktionen bei Tieren

Während psychologische Traumata und ihre Folgestörungen beim Menschen mittlerweile umfangreich beschrieben werden, auch wenn hier weiterhin Bedarf an Forschung und Hilfe besteht, beschäftigt sich in jüngerer Zeit die Wissenschaft auch mit der Frage nach psychologischen Traumata bei nichtmenschlichen Tieren, im Folgenden der Einfachheit halber als Tiere bezeichnet.

Eine Schwierigkeit bei der Einschätzung von Traumatisierung bei Tieren besteht in der Anwendung der auf den Menschen angepassten Kriterien der PTBS. Während nur bei Erfüllen der oben genannten Kriterien die Bezeichnung posttraumatische Belastungsstörung gerechtfertigt wird, besteht ein Graubereich der nur einzelne, aber dennoch belastende Symptome beinhaltet, wie milde posttraumatische Ängste, psychologische Veränderungen, die mit Ängsten einhergehen wie aufdringliche Erinnerungen, Flashbacks, Albträume und mehr. Die Diagnose einer PTBS wird beim Menschen aber nur dann gestellt, wenn eine Person über einen bestimmten Zeitraum eine bestimmte Anzahl von Symptomen aus jedem der vier recht genau definierten Symptomcluster aufweist.

Wie im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders für den Menschen beschrieben, sind die 4 Symptomgruppen, die PTBS von anderen posttraumatischen psychischen Störungen unterscheiden, zusätzlich zu der Tatsache, dass man einem traumatischen Ereignis ausgesetzt war, folgende:

1.  Wiedererleben des Traumas durch aufdringliche Erinnerungen, Dissoziation, Flashbacks und Albträume,

2.  Vermeiden von allem, was an das traumatische Ereignis erinnert,

3.  Negative Veränderungen in Kognition und Stimmung,

4.  Hyperarousal-Symptome wie Hypervigilanz und erhöhte Schreckreaktion (vor dem Trauma nicht vorhanden).

 

Aufgrund der Komplexität dieser Einteilung und Schwierigkeit, diese auf Tiere zu übertragen, besteht die Überlegung, die Einteilung für Kinder bis 6 Jahre zu übernehmen. Diese erfordern weniger Symptome bei jedem Diagnosecluster. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Forschung ist jedoch, dass die meisten Überlebenden einzelner, diskreter traumatischer Ereignisse keine Form von Psychopathologie entwickeln. Menschen, die selbst die erschütterndsten traumatischen Erlebnisse erleben, sind wahrscheinlich zumindest kurzzeitig belastet, entwickeln aber keine PTBS oder eine andere posttraumatische psychiatrische Störung. In der Regel kommt es im Laufe der Zeit zu einer Genesung. Nur eine Minderheit der Betroffenen entwickelt einen Leidensdruck und funktionelle Beeinträchtigungen, die die Kriterien für eine oder mehrere psychiatrische Störungen erfüllen. Eine weitere wichtige Entwicklung in den letzten Jahren ist die Erkenntnis, dass viele Menschen, die einer PTBS ausgesetzt waren, zwar genügend Symptome einer PTBS aufweisen, um Leiden und funktionelle Beeinträchtigungen zu verursachen, aber zu wenige Symptome, um die Diagnosekriterien für eine PTBS zu erfüllen. Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass die Zahl der Menschen, die nach einem Trauma in diese Kategorie fallen, größer ist als die Zahl derer, die die Diagnose PTBS erhalten. Dementsprechend sind zahlreiche Forscher der Ansicht, dass die angemessenere Bezeichnung für dieses Kontinuum posttraumatischer Reaktionen "posttraumatischer Stress" oder PTS ist. In diesem Fall wäre PTSD die schwerste Form von PTS.

Diese Überlegungen spielen eine Rolle, wenn wir über posttraumatische Zustände bei Tieren sprechen, bei denen die Erfüllung bestimmter PTBS-Diagnosekriterien oft schwer zu bestätigen ist, zum Beispiel bezüglich Flashbacks und Albträume. Wenn wir lediglich die Kriterien für posttraumatischen Stress anwenden, können wir auf diese Weise uns auch auf Tiere beziehen, die ein PTBS erleben, ohne uns Gedanken darüber machen zu müssen, ob sie die diagnostische Schwelle für eine PTBS überschreiten.

In der Tiermedizin nimmt man aufgrund der derzeitigen Forschungslage stark an, dass Tiere psychologische Traumata erleben. Die Frage ist, ob sie eine Posttraumatische Belastungsreaktion genauso erleben wie Menschen. Laborexperimentelle Forschung an Tieren, welche ethisch zu hinterfragen sind, postulieren, dass Tiere dem Menschen ähnliche Symptome nach Traumata entwickeln. Die meisten Tiermodelle für PTBS beruhen auf der Exposition gegenüber Stressoren, die das Opfer nicht kontrollieren kann, die unvorhersehbar sind oder beides sind. Zusätzlich zu experimentellen Modellen der PTBS wurden einige Berichte über natürlich auftretende Fälle von PTBS bei Tieren veröffentlicht. Die subjektive Beurteilung des Erlebten wie Flashbacks, Albträume und aufdringliche Erinnerungen bleiben der Forschung jedoch unklar.

Beispiele für traumatische Belastungsstörungen bei Tieren liefern Fallberichte, wie der einer erwachsenen Wölfin, die in freier Wildbahn geboren und dann in Gefangenschaft gehalten wurde. Die Wölfin zeigte daraufhin generalisierte Angst, Vermeidungsverhalten, Hypervigilanz, Erregung und übertriebene Schreckreaktionen, so dass man annahm, dass dies dem PTBS des Menschen ähnelte. In einem weiteren Bericht wurden zwei weibliche Schimpansen aus einer Auffangstation und nach längerer Zeit in Gefangenschaft für biomedizinische Experimente genutzt. Hierauf entwickelten sie intensives Schreien, selbstverletzendes Verhalten, stereotypes Schaukeln, tranceähnliche Zustände, ritualisiertes Anordnen jedes Futterstücks in einem Kreis um sich selbst, plötzliche und unvorhersehbare Aggression, emotionale Instabilität, Hypervigilanz, Angriffe auf die eigene Hand oder den eigenen Fuß, als ob sie nicht zu ihr/ihm gehörten, Selbstisolierung und ständiges Schlagen auf den Kopf. Man stellte daraufhin die Diagnose PTBS. Auch bei wilden Elefanten zeigten sich Anzeichen wie bei PTBS, wie z. B. abnormale Schreckreaktion, Depression, unvorhersehbares asoziales Verhalten und Hyperaggression. Weitere anekdotische Berichte beschreiben bei Hunden und Katzen Anzeichen von posttraumatischen Stress nach dem Hurrikan Katrina. Es traten schwere Persönlichkeits- und Temperamentveränderungen auf, neue Phobien, chronisches Kauen und Ablecken der Pfote, Depression, Zittern, übermäßiger Speichelfluss, Herumlaufen, aggressives Verhalten, loser Stuhlgang, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Ausscheidungen im Haus, Meiden von Menschen und Zuckungen während des Schlafs, unauslöschliche Angst vor Stürmen sowie Nervosität, Angst oder aggressives Verhalten als Reaktion auf Ereignisse, die an das Trauma erinnern, wie starker Wind, Regen oder rauschendes Wasser.

Auch bei Schimpansen, die man von der Mutter trennte, sie sozial isolierte, biomedizinische Experimente an ihnen durchführte oder ähnlichen traumatischen Erfahrungen aussetzte, zeigten Symptome, die Forscher mit den für Kinder angepassten Diagnosekriterien für PTBS verglichen. Sie stellten daraufhin fest, dass 44 % der Schimpansen in Auffangstationen die alternativen Kriterien für PTBS erfüllten, verglichen mit 0,5 % der Schimpansen in freier Wildbahn.

In jüngster Zeit wurden in den Medien und in einigen wissenschaftlichen Berichten klinische Anzeichen bei militärischen Arbeitshunden beschrieben, die den Anzeichen einer PTBS beim Menschen sehr ähnlich sind. Bei schätzungsweise 5 % der Militärhunde wurden extreme Verhaltensänderungen beobachtet, nachdem sie im Irak und in Afghanistan Kämpfen und gewalttätigen Ereignissen ausgesetzt waren. Entscheidend für die Diagnosen war, dass die Hunde vor oder während des Einsatzes in Kriegsgebieten keine Symptome zeigten.

 

Als mögliche Ursachen für psychologische Traumata bei Tieren, die zu schwerem Stress und Leid führen, gelten bei Tieren demnach:

1. Missbrauch - physischer oder emotionaler Natur

2.  Aversive Unterbringung - wie z. B. bei längerer Unterbringung, auch in Tierheim beschrieben

3.  Mehrfache Unterbringung - beinhaltet eine wiederholte Unterbrechung von Lebensereignissen und sozialen Beziehungen und verhindert den Aufbau einer sicheren Basis und eines Gefühls der Stabilität

4.  Horten (animal hoarding) - extremer Stress aufgrund des Wettbewerbs um knappe Ressourcen

5.  Naturkatastrophen - Verlust des häuslichen Umfelds und der sozialen Bindungen, oft auch körperliche Traumata

6.  Kämpfe - organisierte Hundekämpfe mit missbräuchlicher Behandlung, Trainingsstress, schweren körperlichen Verletzungen, die in der Regel von den Besitzern der Hunde ohne tierärztliche Hilfe behandelt werden

7.  Rennsport - Windhunde und Rennpferde, die oft unter starkem Stress stehen

8.  Zwangsarbeit - z. B. manche Schlittenhunde, Tiere in der Unterhaltung (Zirkus, Film und Fernsehen, Meerestierparks) - können über ihre Grenzen hinaus belastet werden

9.  Dienst- und Militäreinsätze - Kampf- und Explosionseinsätze, Such- und Rettungseinsätze, Polizeieinsätze

10.  Laborforschung und -tests - Stress bei Experimenten, die darauf abzielen, Stress zu verursachen, sowie "routinemäßige" Ängste im Zusammenhang mit Laborhaltung und Manipulationen

11.  Physische Traumata und Verletzungen - eine Vielzahl von widrigen physischen Bedingungen

 

Empfehlungen für die Behandlung psychologischer Traumata bei Tieren sind noch nicht ausreichend entwickelt worden. Es fehlt an Forschungsergebnissen. Die Vielfalt der Traumata lässt vermuten, dass individualisierte Behandlungsprogramme wahrscheinlich wirksamer sind als ein einziger Ansatz zur Behandlung von Traumata im Allgemeinen. Derzeit sind wir darauf angewiesen, lediglich die Anzeichen, wie Ängste und Phobien, mit den üblichen verhaltenstherapeutischen Ansätzen zu behandeln sein. Die künftige Forschung würde zeigen, welche Methoden sich für die einzelnen Traumatypen am besten eignen werden.

 

Physiologie von Traumafolgestörungen

Unter Berücksichtigung der bisher betrachteten Literatur zählen zu den möglichen Störungen, die nach Trauma auftreten können, aber auch möglicherweise unabhängig von einem Trauma durch andere Ursachen entstanden sind:

- Vegetative Störungen in Form von Übererregbarkeit (Hyperarousal) und erhöhte Schreckreaktion (vor dem Trauma nicht vorhanden)

- Flashbacks und Albträume, aufdringliche Erinnerungen

- spezifische Phobien

- generalisierte Angststörungen (auch unangemessene Angstaggression)

- Dissoziation

- Gefühlsabstumpfung

Die Ursache scheint eine gestörte Hypothalamus-Hypophysen-Dysregulation zu sein. Angst ist hierbei die dominierende Emotion. Eine Unterscheidung zwischen sicherer und unsicherer Situation ist bei dieser Fehlsteuerung nicht mehr der realen Situation angemessen. Anstelle von normaler Wachsamkeit und Aufmerksamkeit ist bei posttraumatischen Stressreaktionen das System immer in Alarmbereitschaft. Dies hat den Sinn, sich auf ein weiteres stressiges oder bedrohliches Ereignis vorzubereiten. Manchmal wird von Individuen fast jeder Ort als unsicher empfunden.

Demnach existieren zwei Extreme, die übersteigerte Angstreaktionen als Überreaktion und die Dissoziation und Gefühlsabstumpfung als Erschlaffungsreaktion. Um diese beiden Extreme der Über- und Untererregung zu verstehen, schauen wir uns die physiologische Notreaktion an.

Das autonome Nervensystem reagiert auf angenehm oder unangenehm bewertete Situationen entweder mit aktiven Bewältigungsstrategien wie Verteidigung oder Flucht oder aber mit einer passiven Bewältigungsstrategie.

Zwischen aktiver oder passiver Bewältigung gibt es einen Übergangszustand, die Erstarrungsreaktion. Danach wird blitzschnell reagiert, ob die Situation aktiv oder passiv bewältigt wird. Zu den passiven Bewältigungsstrategien, wie sie bei einem Trauma auftreten, zählen die Überaktivierung und die Dissoziation.

Die Überaktivierung tritt als Stressverarbeitungsstörung eher bei lebensgeschichtlich späteren Traumatisierungen auf. Die Dissoziation, welche noch unterteilt werden kann in Derealisierung und Depersonalisierung ist eher ein Zeichen für eine frühe Traumatisierung.

Bei der Überaktivierung (Hyperarousal) kommt es zu einer starken Sympathikusaktivierung und hierdurch zu erhöhtem Blutdruck, erhöhter Herzfrequenz, Atembeschleunigung. Die Gedächtnisleistung kann durch das Hyperarousal beeinträchtigt sein.

Bei der Dissoziation ist die bewusste Verhaltenssteuerung durch das Frontalhirn beeinträchtigt. Überlebensinstinkte dominieren, wie Kampf, Flucht, Schockstarre und Erschlaffen, letzteres als Vorbereitung zum Sterben. Der Hippocampus, eine Schaltstelle für Reize im Gehirn, wird mit Reizen überflutet. Hierdurch kommt es zur Beeinträchtigung der Speicherung des Erlebten in korrekter räumlicher und zeitlicher Relation. Lediglich Gedächtnissplitter oder –fetzen sind hervorrufbar. Die Ausschüttung körpereigener Schmerzmittel und Endorphine helfen, das Unerträgliche zu ertrage. Versuche, das Erlebte wieder ins Bewusstsein hervorzubringen, sind oft schmerzhaft und werden vermieden. Sobald Erinnerungen an das Erlebte aktiviert werden, kommt es meist zu Ablenkungsreaktionen, Abwehr oder Wechsel der Tätigkeit. Menschen können auch aus der Gegenwart abdriften und sind dann kurzzeitig nicht ansprechbar.

Diese Reaktionen wie Hyerarousal oder Dissoziation dienen dem Überleben. Sie können aber widerum andere Folgestörungen begünstigen wie Anpassungsstörungen, Depression, dissoziatisve Persönlichkeitensstörungen oder Borderline-Symptome. Andereseits sind leichte Formen von Derealisationserleben bei Gesunden nicht ungewöhnlich. Nach intensiven Gefühlen oder starker Erschöpfung und Müdigkeit, auch beim Meditieren oder nach dem Einnehmen von Alkohol, Cannabis oder LSD und sogar nach intensivem Sport kann es zu Derealisationserleben bei Gesunden kommen. Hierbei wird die Umgebung als fremd, leblos und unwirklich empfunden. Bei der Depersonalisierung hingegen werden die eigenen Körperempfindungen und Gefühle als nicht zum eigenen Selbst gehörend, als fremd empfunden. Dies ist nicht durch äußere Umstände (wie durch betäubende Medikamente) verursacht, sondern ein spontaner innerer Zustand.

 

Diagnostik von Traumafolgestörungen beim Menschen

Eine anamnestische Befragung nach möglichen Auslösern sowie eine klinische Untersuchung zur möglichen Diagnostik von Begleiterkrankungen oder ursächlichen Erkrankungen erscheint unabdingbar, sowohl bei Mensch als auch beim Tier. Um keine anderen Ursachen für die belastenden Symptome zu übersehen und auch, um Retraumatisierungen zu vermeiden, gehört die Anamnese und Therapie beim Menschen stets in professionelle Hände. Dies erscheint auch beim Tier sinnvoll. Besteht beim Tier der starke Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung aufgrund von  Übererregbarkeit (Hyperarousal) oder auf Triggerreize dissoziativ reagierendes Verhalten, stellt sich die Frage, wie diese therapeutisch bei Tieren angegangen werden können. Dies soll im Folgenden beleuchtet werden.

 

 

Therapie von Traumafolgestörungen beim Menschen

Aus der Traumatherapie beim Menschen wissen wir, dass diese zunächst mit einer Stabilisierungsphase beginnt. Erst danach beginnt der eigentliche therapeutische Prozess durch eine traumafokussierte Psychotherapie, deren Schwerpunkt auf der Verarbeitung der Erinnerung an das traumatische Ereignis und/oder seiner Bedeutung liegt. Zu den Therapien zählen kognitive traumafokussierte Behandlungsverfahren, in welchen durch imaginäre oder narrative Exposition eine mentale Umstrukturiereung in Bezug auf die traumabezogenen Überzeugungen erfolgt. Weiteres traumafokussiertes Behandlungsverfahren ist das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), die nach einem strukturierten Fokussierungsprozess in einen assoziativen Prozess der Verarbeitung mündet. Beide werden von rhythmischen Bewegungen der Hand des/der Therapueten/in begleitet.

Obwohl diese Verfahren nachweislich zu einer starken Symptomreduktion bei PTBS führen, bildet sich die PTBS-Symptomatik nicht bei allen Betroffenen vollständig zurück. Den weiteren Heilungsprozess unterstützend können Ausdauersport, achtsamkeitsbasierte Methoden und Kreativtherapien eingesetzt werden.

Für eine Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (KPTBS) sollte die psychotherapeutische Behandlung mit einer Kombination traumafokussierter Techniken erfolgen, bei denen Schwerpunkte auf der Verarbeitung der Erinnerung an die traumatischen Erlebnisse und/oder ihrer Bedeutung liegen sowie auf Techniken zur Emotionsregulation und zur Verbesserung von Beziehungsstörungen im Sinne der Bearbeitung dysfunktionaler zwischenmenschlicher Muster. Es bleibt dabei unklar, wie lange in einem Gesamtbehandlungsplan eine Phase der Stabilisierung vor einer Exposition sein soll. Weitere Untersuchungen sind diesbezüglich notwendig.

 

Umgang mit traumatisierten Tieren

Bisher finden sich nur vereinzelt Veröffentlichungen zur Behandlung von posttraumatischen Belastungssymptomen beim Tier, zumeist bei Hunden. In den letzte Jahren scheint das Interesse und der Bedarf zuzunehmen. In der tiermedizinischen Verhaltenstherapie verwendet man bisher am ehesten Maßnahmen, die auch bei Angst-Störungen genutzt werden, etwa die Veränderung des Managements, Desensibilisierung, Gegenkonditionierung und auch Medikamente wie Antidepressiva, Beruhigungsmittel oder Beta-Blocker. Verhaltenstierärzte stellen aber auch die Frage, ob diese Maßnahmen ausreichen, um traumatisierten Hunden zu helfen? Ein Hund mit PTBS leide nicht nur unter Phobien, sondern unter weiteren Problemen. Ein dauerhaft alarmiertes Stress-System, Intrusionen, Flash-Backs und der Verlust der Handlungsfähigkeit gehören mit in den Therapieplan. So werden nach Techniken aus der Humanpsychologie gesucht, die auch auf Tiere anwendbar sind.

 

Zu Beginn ist die Phase der Stabilisierung zu betonen. Außerdem ist die Gefährdung von Menschen und Tieren durch Absicherungsmaßnahmen (räumliche Trennungen, Maulkörbe, ect.) zu vermeiden. Erst nach und nach folgt das Umlernen problematischer Verhaltensweisen. Insbesondere bei traumatisierten Tieren gehört auch das Training von Emotionen, inneren Ressourcen und der Aufbau eines gesunden Körpergefühls dazu. Insgesamt braucht dieser Prozess viel Mitgefühl, Feingespür und Geduld.

 

Welche Rolle spielen Medikamente bei der Therapie traumatisierter Tiere? Im Prozess der Erholung können Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche und pharmazeutische Stoffe durch geschulte Fachpersonen verschrieben werden. In schweren Fällen sind sie oft unabdingbar. Kommt es zur schrittweisen Erholung, sind Medikamente aber keine Dauerlösung und ersetzten auch keine Therapie. Insbesondere den Wachzustand des Tieres dämpfende Medikamente können auch einen Lernprozess verlangsamen, da zum Lernen ein gelassener aber auch wacher Geisteszustand notwendig ist. Wenn ein Tier über längere Zeit und auch durch angemessene traumasensitive Maßnahmen für sich selbst und andere Tiere und Menschen eine erhebliche Gefahr darstellt, muss unbedingt für die Sicherheit aller gesorgt werden. Wie dann weiter vorgegangen wird, sollte unbedingt unter Hinzuziehen von in Traumata und Tier-Verhaltensmedizin geschulten Fachpersonen entschieden werden.

Manchmal ist auch eine Besserung nicht möglich, da das Tier dauerhaft mit dem Täter eines Traumas in Kontakt steht (bestimmter Tierhalter, bestimmter Tierarzt, bestimmte Haltungsbedingungen oder dergleichen). Dann kann auch eine Änderung der Haltungsbedingungen und ein Orts- oder Besitzerwechsel für das Tier sinnvoll sein.

 

 

Die Phasen der Trauma-Therapie beim Hund

Der Ablauf gliedert sich in drei Phasen:

  • Stabilisierung,
  • Förderung des Gefühls von Selbstwirksamkeit
  • traumaadaptierte Konfrontationsübungen

 

 

Stabilisierungsphase

 

Herstellung von Sicherheit: Zunächst muss für den Hund, Menschen und andere Tiere in seiner Nähe die physische Sicherheit hergestellt werden, damit niemand verletzt wird. Damit das Stress-System des Hundes sich erholen kann, ist außerdem ein Gefühl von psychischer Sicherheit unabdingbar. Grundlegende Bedürfnisse wie Schlafen, Rückzugsort, Trinken, Fressen, Sich-Lösen müssen befriedigt werden können. Weitere unangenehme Situationen, die zur Reiz-Überflutung führen (z.B. auf dem Hundeplatz, bei Tierarztbesuchen oder aversive Erziehung) oder auch stark stimulierende positive Ereignisse (z.B. übermäßiges Spiel, Training mit hoher Motivationslage) sollten in dieser Phase vermieden werden.

 

Entwicklung fester Strukturen: Alles was vorhersehbar ist, bringt ein Gefühl von Sicherheit mit sich. Hierzu gehört, dass der Hund weiß, was auf ihn zukommt. Ein geregelter Tagesablauf kann dieses Gefühl bestärken. Auch für den Hund wichtige Ereignisse wie Fütterung, Annäherung, Berührung jeglicher Art und Aufforderungen sollten immer gleich ablaufen und somit zuverlässig und voraussehbar sein.

 

Aufbau belastbarer Beziehung(en): Hunde und Menschen sind soziale Lebewesen. Die Anwesenheit einer Bezugsperson kann zur Freisetzung des Wohlfühl- bzw. Kuschelhormons Oxytocin führen, was angstmindernd wirkt und ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Eine Beziehung wird belastbar, wenn sie getragen wird von klarer Verständigung und Vorhersehbarkeit. Für Hundehalter ist daher wichtig zu wissen, dass der Hund auch klar versteht, was ihm vermittelt wird.

 

 

Förderung des Gefühls von Selbstwirksamkeit

 

Selbstwirksamkeit meint die innere Überzeugung an die eigenen Fähigkeiten. Diese kann unterstützt werden durch die Verbesserung der Körperwahrnehmung und zunehmende körperliche Beweglichkeit. Beim Hund kann man dies indirekt fördern durch:

 

Steigerung der Neugierde

Diese Bereitschaft zum Erkunden und Ausprobieren kann gefördert werden durch Spiele. Aktiv könnte ein interessantes Spielzeug oder ein Gegenstandes liegengelassen werden. Aber auch zufällige Ereignisse können genutzt werden. Bemerkt man, dass das Tier selbstständig etwas Interessantes zu untersuchen beginnt, zum Beispiel den Geruch anderer Tiere, so sollte dies sofort durch Loben gefördert werden. Auch Klettermöglichkeiten beim Spaziergang oder neue Wege zu erkunden, wenn dies das Tier nicht überfordert, können die Neugierde steigern. Das Tier sollte dabei entspannt oder freudig gestimmt sein.

 

Steigerung der Verhaltensvielfalt

Angespannte Hunde haben häufig einen monotonen Verhaltensablauf und zeigen nur geringe Vielfalt in Mimik, Gestik und Körpersprache. Steig die innere Sicherheit, zeig sich dies meist durch eine Zunahmeunterschiedlicher Verhaltensweisen. Man kann dies spontan fördern, indem neuauftretende, positive Verhaltensweisen sofort gelobt werden. Neue Verhaltensweisen können auch durch neue Situationen oder Parcours gefördert werden, wobei insbesondere traumatisierte Tiere dabei nicht überfordert oder gestresst werden dürfen!

 

Verbesserung der Selbstregulation

Hier sind Übungen zur Entspannung notwendig. Später werden Übergänge zwischen An- und Entspannung trainiert. Wenn ein Tier nach einer anregenden Übung wieder gelassen und entspannt werden kann, spricht dies für eine erfolgreiche Selbstregulation. Gelingt dies, sollte sofort gelobt werden, was ebenfalls die Selbstregulierung positiv bestärkt.

 

Grenzen des Tieres berücksichtigen

Äußerst wichtig bei Übungen zur Selbstwirksamkeit ist, dass die Grenzen des Tieres beachtet werden und ein „Nein“ des Tieres berücksichtigt wird. Ein Tier darf bei Übungen nicht überredet oder zu einem Verhalten gezwungen werden. Wichtig ist es, Wege zu finden, dass das Tier mitteilen kann, wenn es etwas nicht möchte. Nur wenn es lernt, dass Menschen bereits frühe Zeichen des „Neins“ von Seiten des Tieres richtig deuten können und auch akzeptieren, entsteht ein Gefühl von Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Vertrauen im Tier. Bei Hunden kann auch das Abwenden der Augen oder des Kopfes geachtet werden oder den Versuch, aus der Situation zu gehen. Auch „Einfrieren“ ist ein Zeichen des Unwohlseins. Man kann vorher sanft versuchen, herauszufinden, wie das Tier ein „Nein“ kommuniziert, zum Beispiel indem man es anschaut, anspricht, zu streicheln andeutet oder es streichelt und auf abwendende oder ablehnende Signale sehr genau achtet. Sobald dies bemerkt wird, reagiert der Mensch ruhig und gelassen mit einer Vergrößerung der Distanz. Der Abstand zum Tier wird demnach vergrößert. Wichtig dabei, dass der Mensch dies innerlich ruhig und mit sanfter Körperhaltung und gegebenenfalls Stimme begleitet, immer so, dass die Anspannung sich nicht weiter auf- sondern abbaut. So lernt das Tier, dass sein Unwohlsein und das signalisierte „Nein“ verstanden und auch akzeptiert wurde. Wenn dann später eine Konfrontationsübung stattfindet, sollte auf diese Art des „Nein“ geachtet werden und dies mit einem Beenden der Übung beantwortet werden.

 

 

 

traumaadaptierte Konfrontationsübungen

 

Bei der Therapie traumatisierter Tiere ist es besonders wichtig, Retraumatisierungen zu vermeiden. Durch einen Schlüsselreiz (Trigger) kann es zu unkontrollierbaren Wiedererleben von Gefühlen aus der ursprünglichen traumatisierenden Situation kommen. Tritt dies besonders heftig auf, kann das Tier völlig hiervon überwältigt sein und verhält sich so, als wäre es wieder genau in der traumatischen Situation. Dies gilt es bei Übungen mit traumatisierten Tieren zu vermeiden. Hilfreich ist es daher, alle bekannten Trigger und auslösenden Situationen aufzuschreiben. Doch gerade bei komplex traumatisierten Tieren ist dies oft nicht vollständig möglich. Daher ist in der Konfrontationsphase besondere Vorsicht geboten und Sicherheitsvorkehrungen wie Maulkorb oder ähnliches zum Schutze aller Anwesenden zu beachten.

 

Der Prozess der Traumatisierung und die damit einhergehenden Verhaltensauffälligkeiten sind je nach Hund sehr individuell. Daher betonen Verhaltenstierärzte, dass es kein Standardprogramm zur Therapie gibt. In hohem Maße solle individualisiert gearbeitet werden.

 

Oft belasten traumatisierte Tiere mehrere Phobien wie vor Geräuschen, fremden Situationen, bestimmten Menschen oder manchen Gegenstände. Manchmal verbessern sich Beschwerden und Ängste eigenständig, sobald das Tier innerlich stabiler und gelassener wird. Dies betrifft insbesondere die Geräuschempfindlichkeit. Eine Desensibilisierung findet hier demnach spontan im normalen Alltagssetting statt, begünstigt durch die innere Ruhe des Tieres. In diesem Zusammenhang sei auch nochmals auf die Relevanz der Stabilisierungsphase (siehe vorheriger Abschnitte) verwiesen!

 

Andere persistierende und wiederkehrend belastende Triggersituationen bedürfen eines traumasensitiven Trainings. Hierbei nutzt man dieselben Trainingsmethoden und Lerntheorien, wie sie auch sonst in der Verhaltenstherapie eingesetzt werden. Allerdings muss auf besondere Aspekte geachtet werden:

 

Belastbarkeit des Tieres

Ist das Tier schon bereit für das Training? Wenn noch eine Übererregung vorhanden ist, so ist von einer Konfrontationstherapie noch abzusehen. Dann sollte das Training auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden und vermehrt um die Übererregung gesorgt werden.

 

Sicherheit

Auch bei gut geplantem Training kann es zur Triggerung kommen. Insbesondere ist auf die Erregungsgrenze des Tieres Acht zu geben. Diese darf nicht überschritten werde. Leine, Maulkorb und Absperrungen können der Sicherheit dienen.

 

Eine Übung reicht

Es sollte immer nur eine Konfrontationsübung pro Tag und Trainingseinheit erfolgen. Diese sollte so geplant sein, dass sie vom Tier erfolgreich bewältigt werden kann.

 

Grenzen des Tieres berücksichtigen

Sobald das Tier ein „Nein“ kommuniziert, sollte dies akzeptiert und die Übung beendet werden. Alles geschieht nur in der Geschwindigkeit des Tieres.

 

Handlungsfähigkeit erlauben und trainieren

Ein Trauma ist dadurch gekennzeichnet, dass Flucht oder Angriff in einer potentiell lebensbedrohlichen Situation nicht möglich war. Es gab keine Lösung und kein Spielraum für Handlungsfähigkeit, weshalb es zum Erstarren kommt. Bei den Konfrontationsübungen ist es demnach äußerst wichtig, dass das Tier die Erfahrung macht, dass seine eigenen Handlungen doch wirkungsvoll sind. Bereits das Akzeptieren des „Neins“ stellt eine solche erfolgreich gemeisterte Handlung dar. Auch neue Handlungsoptionen sollten gefördert und trainiert werden. Wichtig ist hier, in einem Erregungslevel zu trainieren, bei dem das Tier wach, gelassen und ansprechbar ist.

 

 

Unabdingbar in der Behandlung und Versorgung traumatisierter Tiere sind Zeit und Geduld!

 

Es braucht Zeit, damit das Tier sich Stück für Stück aus dem traumatisierten Zustand herausentwickeln kann.

 

Dieser Prozess wird durch die StabilisierungRessourcenförderung und eventuelle durch vorsichtige traumaadaptierte Konfrontationsübungen unterstützt.

 

Alles geht dabei immer nur in der Geschwindigkeit des Tieres!

 

 

 

 

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Hallgren (2020) Stress, Angst und Aggression bei Hunden
  • Hense (2021) PTBS beim Hund? - Therapie und Training eines traumatisierten Hundes, online verfügbar am 04.04.2022 unter https://www.atm.de/blog/redaktionelles/ptbs-beim-hund-therapie-und-training-eines-traumatisierten-hundes
  • McMillan (2018) Psychological Trauma in Animals, World Small Animal Veterinary Association Congress Proceedings
  • Nibel und Fischer (2020) Neurogenes Zittern
  • Pausch und Matten (2018) Trauma und Traumafolgestörung
  • Posttraumatische Belastungsstörung S3 Leitlinie der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) (Federführende Fachgesellschaft) Version: 19.12.2019
  • Zurr und Hense (2022) Traumatisierten Tieren in der Kleintierpraxis wirksam helfen, Benefiz-Seminar für Tierärzte und tiermedizinische Angestellte, akademie-vet (05.04.2022)